Den Sorgen davongehen

Aktualisiert: 23. Nov 2020

Der Sommer ist vorüber und wir sind in der kalten Jahreszeit angekommen.

Statt Sonnenschein begrüßt uns am Morgen nun häufig ein Nebelschleier, begleitet von Kälte und grauen Farben. Für viele nicht gerade verlockend, um hinaus zu gehen und einen Spaziergang zu machen. Und so verbringt man sehr viel Zeit zu Hause, liegt am Sofa und sieht sich Serien an. Bewegung und Sport kommen da schnell mal zu kurz.

Es tut sich die berechtigte Frage auf: wozu eigentlich hinausgehen, wenn es zu Hause so schön warm und gemütlich ist?


Ein Plädoyer fürs Gehen hat der Philosoph und Verleger Erling Kagge mit seinem Buch “Gehen-Weitergehen. Eine Anleitung” geschrieben. Ein Buch, das ich an dieser Stelle sehr empfehlen kann, da es einer schlichten Tätigkeit wie dem Gehen, Bedeutsamkeit verleiht. Er beschreibt den Effekt, den das Gehen auf den Menschen hat wie folgt:

“Unsere Gedanken beginnen zu fließen, unser Kopf wird klar, äußere und innere Welt gehen ineinander über, wir werden eins mit der Welt – im Gehen.”

Wer es schon einmal selbst erlebt hat, weiß, wovon er spricht. Das Gehen verändert etwas in uns. Wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, wir seit Stunden über ein und demselben Problem grübeln, wir wie innerlich feststecken, nicht von der Stelle kommen und die Gedanken sich im Kreis gehen, bewirkt es etwas Heilsames, nach draußen zu gehen und einen Spaziergang zu machen.


Wie aber bewirkt das Gehen etwas in uns? Zum einen sind wir draußen mit einer Vielzahl an Reizen konfrontiert, die unsere Sinne anregen. Wir spüren zunächst die Kälte in Gesicht und Fingern, bemerken dann aber, wie sich mit der Zeit eine Wärme in unserem Körper ausbreitet. Wir hören das Geplätschert eines Flusses, an dem wir entlang gehen, riechen das nasse Laub, treffen auf andere Menschen, die uns vielleicht ein Lächeln schenken.


Es ist mir an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass man, um den wohltuenden Effekt des Gehens, wie Erling Kagge ihn beschreibt, zu erleben, nötig ist, achtsam zu gehen und sich auf das zu konzentrieren, was man sieht, hört und spürt. Tut man das nicht, kann es passieren, dass man wie in Trance dahin marschiert, die quälenden Gedanken wie eine Gewitterwolke mit sich schleppend.


„Wenn du gehst, geht es immer darum, Ruhe zu finden, die Probleme zu Hause zu lassen, zu einem Teil der Umgebung zu werden und zufrieden zu sein, einen Schritt vor den anderen zu setzen.“, schreibt Kagge.


Aufmerksamkeit, Langsamkeit und Offenheit für das, was man im gegenwärtigen Moment sieht, was einem begegnet, was man erlebt, ist also angesagt.


Das tatsächliche in Bewegung sein, bringt auch in unserem Innern wieder etwa in Bewegung. Wo zunächst noch Stillstand herrschte, kommt nun wieder Lebendigkeit auf. Es ist als ob man den Sorgen ein Stück weit davon geht. Wenn man zurück nach Hause kommt, fühlt man sich leichter, gedanklich sortierter und die Perspektive auf so manche Sorge hat sich möglicherweise verändert.


Probieren Sie es selbst aus!

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