Jede Krise eine Chance?

Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch, dass angeblich jede Krise auch eine Chance bieten soll? Aber stimmt das wirklich? Oder ist es gar zynisch das zu behaupten, während das Corona-Virus weltweit sein Unwesen treibt?


Hier der Versuch einer Antwort.

Das Wort "Krise" meint ursprünglich einen Wendepunkt, von dem aus es entweder zu einer Verbesserung oder zu einer Verschlechterung einer schwierigen Situation kommen kann. Potentiell ist also in jeder Krise auch eine Entwicklung zu etwas Positivem enthalten.

Gibt es also auch etwas, dass wir aus der langen Zeit des Verzichts, der Einschränkungen und der Ungewissheit mit dem Corona-Virus mitnehmen werden?


Für mich besteht die Gefahr in einer Aussage wie "Jede Krise ist eine Chance" darin, Leidvolles, das uns im Leben widerfährt, zu bagatellisieren und wie durch die rosarote Brille zu sehen. Also nach dem Motto "Nimm es nicht schwer, es hat doch alles auch etwas Gutes. Du musst es nur erkennen."


Für einen Menschen, der gerade schwer an einem Schicksalsschlag zu tragen hat, der vielleicht mit existentiellen Sorgen konfrontiert ist oder einen Verlust zu beklagen hat, kann eine solche Aussage wie ein Schlag ins Gesicht sein, da sie den erlebten Schmerz nicht ernst nimmt und über ihn hinweggeht. Um aber den möglichen Nutzen einer durchgestandenen schweren Zeit zu erkennen, ist es zunächst immer nötig, dem Leid auch seinen Platz zu geben, es nicht weg reden oder verharmlosen zu wollen.



Es geht also darum, realistisch wahrzunehmen welche Auswirkungen eine Krise auf uns hat. Weder schwarz malen noch alles positiv zu betrachten ist wirklich hilfreich.

Sich den Fragen, die sich in der Corona-Krise auftun, zuwenden und sie ehrlich zu beantworten ist eine Möglichkeit das potentiell Gute an der Krise für sich zu entdecken. Dann kann eine Krise tatsächlich zum Wendepunkt und damit zur Chance auf etwas Neues und Gutes sein:


Welche Auswirkungen hat diese Zeit mit dem Corona-Virus auf mein Leben?

Wo erlebe ich mich in meinem Leben durch die Krise eingeschränkt?

Wo erlebe ich mich überfordert?

Kann ich auch Positives an der Corona-Krise für mein Leben erkennen?

Gibt es Hilfreiches und Wertvolles, dass ich durch die Krise erkannt habe?

Wofür bin ich während dieser Zeit dankbar?


Der Zukunftsforscher Matthias Horx (www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de) hat sich mit der Frage der Auswirkungen von Corona auf die Zukunft des Menschen, der Umwelt und der Wirtschaft beschäftigt und sieht auch eine Vielzahl ein positiven Effekten, die die Krise auf uns haben wird. Einen Ausschnitt davon möchte ich zum Abschluss teilen:

"Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. (..) Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst."

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