Wie man´s macht, macht man´s verkehrt! Oder doch richtig?

"Ein Vater ritt einmal auf einem Esel und neben ihm lief sein kleiner Sohn. Da empörte sich ein Passant:

>Schaut euch den Alten an. Der lässt seinen kleinen Jungen neben dem Esel herlaufen<. Der Vater stieg ab und setze seinen Sohn auf den Esel.

Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, rief ein anderer:

>Das ist doch nicht zu fassen! Der Sohn sitzt wie ein Pascha auf dem Esel und der alte Mann muss laufen.<

Da setze sich der Vater zu seinem Sohn auf den Esel.

Kurz darauf entrüstete sich ein anderer: >Jetzt seht euch die beiden an. So eine Tierquälerei! <

Also stiegen beide ab und liefen neben dem Esel her.

Doch sogleich sagte ein anderer belustigt:

> Wie kann man nur so dumm sein. Wozu habt ihr einen Esel, wenn ihr ihn nicht nutzt?<

Da nahm der Vater seinen Sohn beiseite und sagte zu ihm:

> Du siehst, wir können es nicht allen recht machen. Die anderen sind kein Maßstab. Wir müssen selbst entscheiden, was für uns richtig und falsch ist.<"

Diese kurze Geschichte aus dem Buch "Glück ist, was du draus machst. Weisheitsgeschichten aus aller Welt" bringt ein sehr häufiges Problem auf den Punkt:

Man müht sich ab, in dem Versuch allen gerecht zu werden, doch man selbst bleibt wohl oder übel auf der Stecke. Wenn wir versuchen, es allen recht zu machen, unsere Meinung und unser Verhalten anpassen an das, was andere über uns denken, dann endet es meist damit, dass niemand wirklich zufrieden ist - man selbst am aller wenigsten.

Denn irgendjemand hat immer etwas an unseren Entscheidungen auszusetzen, das soll diese Geschichte aufzeigen.


Ich denke, es ist wichtig sich bewusst zu machen, wie einmalig und einzigartig Entscheidungen, die wir täglich für uns und unser Leben treffen, eigentlich sind.

Es gibt mich, so wie ich bin, nur ein einziges Mal. Mich, mit all meinen bisherigen Lebenserfahrungen, mit allen Stärken und Schwächen, mit meinem Wissen, mit meinen Gedanken und Gefühlen. Und auch die Situation, in der ich mich befinde, ist einmalig.

Sie kehrt in der Form, wie sie gerade in dem Moment vorhanden ist, nicht wieder und wird von keinem anderen Menschen so erlebt, wie ich sie gerade erlebe.

Wer, wenn nicht ich selbst, sollte also tatsächlich wissen, wie am besten damit umzugehen ist?


Um auf die Geschichte vom Beginn zurückzukommen, so bedeutet das, dass ich mich selbst und die Situation gut wahrnehmen muss, um eine richtige Entscheidung treffen zu können: Bin ich schon müde und erschöpft vom vielen Laufen oder fühle ich mich fit und stark genug, den Weg zu Fuß zu bewältigen? Macht es mir vielleicht sogar Freude zu laufen? Oder bin ich schon lange Zeit nicht auf meinem Esel geritten und habe Lust auf einen kleinen Ausritt? Habe ich genug getrunken und die passenden Schuhe an, um zu Fuß zu gehen? Wie geht es meinem Esel? Ist er gesund und kräftig genug, um mich ein Stück des Weges zu tragen? Oder ist er schon alt und eher schwach auf den Beinen? Und wie steht es um meinen Sohn? Kann ich ihm eine Freude bereiten, wenn ich ihn auf den Esel setze und ihn reiten lasse?

Diese und andere Fragen leiten mich in der persönlichen Auseinandersetzung mit einer Situation an, auf dem Weg zu einer guten Entscheidung, die ich vor mir selbst und vor anderen verantworten kann.


Der Ursprung vom vielen Vergleichen mit anderen und die Fixierung auf das "was andere über mich denken" liegt meist in einer Selbstunsicherheit und einer Angst davor, die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu tragen. Die Existenzanalyse sieht den Menschen als einen, der frei ist zu entscheiden. Freiheit geht immer Hand in Hand mit Verantwortlichkeit. Wo ich selbst entscheide, was richtig und gut für mich ist, dort bin ich auch verantwortlich für meine Taten und die damit verbundenen Folgen.


Ein Ausweg aus der Verantwortlichkeit für das eigenen Leben, ist es, sich den Meinungen und Urteilen der anderen zu unterwerfen. So schütze ich mich vor Enttäuschungen und möglichen Fehlentscheidungen. Doch der Preis für diesen Schutz ist hoch. Er kostet nicht weniger als ein erfülltes und als sinnvoll erlebtes Leben. Denn erfülltes Leben braucht mich als die Person, die ich bin. Nur ich selbst kann wahrnehmen und spüren, was jetzt richtig ist für mich und mein Leben und was ich als wertvoll und sinnvoll erachte.


Alfried Längle, schreibt dazu in seinem Buch "Sinnvoll leben" folgende Zeilen:

"Gib Deine Antwort, sie wurde noch nie gegeben! Niemand kann sie für Dich geben. Halte dich an Dein Gespür und scheue den Irrtum nicht. Es ist schlimmer, aus Angst vor Fehlern nicht gelebt zu haben, als mit Fehlern zu leben. Lass Dir nicht sagen, was Du tun sollst. Nimm es nur als Hinweis, was andere Dir sagen, was die Tradition vermittelt, was die Mode ist, was andere tun. Folge Deinem Gespür, unbeirrt."

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